Polizei und Ordnungsamt stürmen Party im Kulturzentrum Baracke

Mehrere BesucherInnen durch Hundebisse und Pfefferspray verletzt

Münster, 21.08.2009. Was als friedliche Studierenden-Party in der “Baracke” begann, endete in einem überzogenen Polizeieinsatz mit mehreren Verletzten, ein Besucher wurde durch drei Bisse eines Polizeihundes verletzt. Der Anlass: Eine einfache Ruhestörung.

Ordnungsamt untersucht „Ruhestörung“

Gegen 24:00 Uhr betraten zwei MitarbeiterInnen des Ordnungsamts das studentische Kulturzentrum „Baracke“, einen Veranstaltungsort der Verfassten Studierenschaft und der Fachschaften Politik und Soziologie. Dort fand zur Zeit eine Party der Antifaschistischen Linken Münster statt, die vom AStA der Uni Münster unterstützt wurde. Ein Anwohner hatte das Ordnungsamt wegen Ruhestörung gerufen. Unmittelbar nachdem das Ordnungsamt auf die Ruhestörung hingewiesen hatte, wurde die Musik leiser gedreht, wenige Minuten später komplett ausgemacht. Dass der Polizei nichts anderes übrig geblieben sei um die Ruhestörung zu beenden, wie die Münstersche Zeitung den Dienstgruppenleiter der Polizei, Ulrich Bosse, zitiert, ist schlichtweg nicht richtig. Eine Ruhestörung lag kurz nach Erscheinen des Ordnungsamts nicht mehr vor, vielmehr haben die DJs innerhalb weniger Minuten mit ihrem Equipment den Veranstaltungsort verlassen. Die MitarbeiterInnen des Ordnungsamts suchten nun nach einem Verantwortlichen, der nicht gefunden werden konnte. Danach wollten sie wahllos die Personalien von verschiedenen BesucherInnen feststellen, die aber alle aussagten, nicht für die Party verantwortlich zu sein. Daraufhin rief das Ordnungsamt die Polizei zur Hilfe, nicht ohne, dass einer der Ordnungsamt-Mitarbeiter seine Aversionen gegen Studierende zum Ausdruck brachte.

Massive Polizeigewalt

Die eingetroffene Polizei ließ die Situation eskalieren: Auf Gesprächsangebote gingen die Beamten nicht ein, versperrten den Eingang und kündigten an, die Personalien von allen BesucherInnen aufnehmen zu wollen. Das Angebot einiger Anwesender sich vor der Polizei als Verantwortliche auszuweisen, wurde ignoriert. Als weitere Polizei-Verstärkung eintraf, ging diese mit massiver Gewalt gegen BesucherInnen vor. Menschen wurden geschlagen und zu Boden geworfen. Mehrere Polizeibeamte setzen Pfefferspray in der geschlossenen Räumlichkeit ein. Ein Student, der die Polizeiübergriffe mit einer Kamera filmte, wurde von dem Ordnungsamt-Mitarbeiter ins Gesicht geschlagen und so am Filmen gehindert. Vor der Baracke wurden weiter willkürlich Personen festgesetzt. Ein Polizeihundeführer nahm seinen Hund von der Leine und hetzte ihn auf einen Besucher. Obwohl durch Hundebisse sichtbar verletzt, wurde der Betroffene mit aufs Polizeirevier gebracht und erst Samstagmorgen gegen 8.00 Uhr freigelassen. Seiner Bitte nach einem Arzt wurde zunächst mit dem höhnischen Spruch „Der kann ja noch reden, so schlimm kann es ja nicht sein“ kommentiert. Erst nach einiger Zeit auf dem Revier kam ein Polizeiarzt. Zwei weitere Personen wurden mit auf das Revier gebracht, allerdings schon nach kurzer Zeit entlassen. Die Polizei verletzte mehrere Besucher durch Pfefferspray oder durch Schläge und Verrenkungen der Gliedmaßen. Viele feiernde StudentInnen sind schockiert von der unverhältnissmäßigen Polizeigewalt, die sie erleiden mussten.

Unverhältnissmäßiger Polizeieinsatz

Obwohl von den BesucherInnen zu keinem Zeitpunkt Gewalt gegen die Polizei ausging führte diese die Situation einseitig zur Eskalation und nahm dabei viele Verletzte in Kauf, obwohl weder eine Ruhestörung noch sonstige Straftaten vorlagen.

Der AStA der Universität Münster und die für die Baracke verantwortliche Fachschaft Politik verurteilen den Polizeieinsatz auf Schärfste und fordern die Polizei auf, Verfahren gegen die BesucherInnen der Party einzustellen, sowie ihre Äußerungen zum Verlauf des Geschehens zu korrigieren. Dazu besteht in Hinblick auf die einhellige Darstellung der Ereignisse durch die ca. 40 Gäste aller Anlass. Nicht zuletzt um ein derartiges Verhalten der BeamtInnen von Polizei und Ordnungsamt für zukünftige Veranstaltungen zu verhindern, werden rechtliche Schritte geprüft.

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