Liebe Fachschaft WiWi,
dieser Brief ist an euch gerichtet, da ihr am 4.11. eine Party veranstaltet habt, auf der es „Erotik- und Table-Dance-Shows“ gegeben hat. Auf der „coolste[n] Party Münsters“ am 04. November im Metropolis mit „Shows, die die Gemüter erhitzt haben“ tanzten und entkleideten sich Frauen zum Vergnügen der anwesenden Männer. Wir verurteilen diese sexualisierte Darstellung von Frauen. Dabei möchten wir betonen, dass sich diese Kritik NICHT an die beschäftigten Frauen, sondern ausschließlich an die Organisator_innen dieser Party richtet.
Warum Kritik, die engagierten Frauen machen das ja schließlich freiwillig:
- Frauen werden durch Partys wie eure zu Werbe- und Sexualobjekten und eben nicht als handelnde Subjekte wahrgenommen, die eine eigene Meinung haben und diese vertreten. Diese Reduzierung auf den Körper und das Geschlecht haben zur Folge, dass ebendiese Frauen wie Dinge betrachtet werden und so ein gesellschaftliches, und nebenbei sehr antiquiertes, Bild von Frauen, deren Aufgabe es ausschließlich ist attraktiv zu sein, verfestigt wird. Gleichzeitig geht damit einher, dass eine sexualisierte Darstellung von Menschen, gesellschaftlich konsensfähig gemacht wird oder dieser Konsens damit weiter gestützt wird.
- Aus dem ersten Punkt ergeben sich auch Konsequenzen für Studentinnen eures Fachbereichs. Blöde Anmachen, Kommentare über Körper von Studentinnen aufgrund ihres Geschlechts gehören zu einem sexistischen Alltag, welcher durch solche Partys unterstützt und gestärkt wird. Wenn eine Fachschaft eine solche Party organisiert, heißt das auch, dass eine Ansprechpartnerin am Institut, nämlich ihr als Fachschaft, für Frauen, die sich durch eine solche Behandlung gestört und belästigt fühlen, wegfällt. Stattdessen freuen sich die männlichen Kommilitonen, die dieses Verhalten an den Tag legen auf euren Partys bestens unterhalten und durch euch mit solchen Partys auch in ihrem Verhalten bestätigt zu werden. Kaum eine emanzipierte Frau käme auf die Idee eine Party nach solchen Kriterien zu gestalten (selbst wenn es männliche Stripper gegeben hätte, bleibt die Kritik bestehen, dass Menschen als Objekte zwecks eines Amüsements der RezipientInnen betrachtet werden). Stattdessen wird eine Party für Männer des Fachbereichs gestaltet, auf der Frauen sich damit auseinandersetzen müssen, dass für sie ohnehin schon nerviges Verhalten (Bewertung von weiblichen Körpern im Hinblick auf ihre Attraktivität) zum Sinn einer Party wird.
- Aus beiden Punkten ergibt sich eine Verfestigung von Ungleichbehandlung von Frauen und Männern in der Gesellschaft. Es wird/bleibt konsensfähig, Frauen aufgrund von „spezifisch weiblichen“ Eigenschaften zu beurteilen, bei euch ganz platt nach der Attraktivität des Körpers, anstatt die Ungleichbehandlung kritisch aufzugreifen. So bleibt diese bestehen und stärkt somit in letzter Konsequenz auch das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern nach dem Studium.
Wir fordern von euch:
- Eine Entschuldigung für diese Party.
- Das Unterlassen von solchen fragwürdigen und sexistischen Veranstaltungen.
- Eine weitergehende Auseinandersetzung mit dem Thema Sexismus und Geschlechterungleichheiten sowie der sozialen Konstruktion von Geschlecht.
AStA der Universität Münster
P.S.:
Um Euch und den Studierenden Eures Fachbereichs die Auseinandersetzung mit einer Kritik des Sexismus zu ermöglichen findet am 11.12.2009 in der Zeit von 16-18 Uhr eine Diskussionveranstaltung im J 253 an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät statt. Ein Ausweichort bei unerwartet hoher Teilnehmer_innenzahl steht zur Verfügung.




