Am Donnerstag und Freitag fand in Brüssel ein EU-Gipfel statt, bei dem im Rahmen der Initiative „EU 2020“ über anderem über bildungspolitische Ziele und eine gemeinsame Armutsbekämpfung diskutiert wurde.
Die EU-Kommission machte den Vorschlag, bis zum Jahr 2020 eine Studierendenquote von 40% zu erreichen. Diesen Vorschlag blockierte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Begründung, dass es in Deutschland vergleichbare Abschlüsse gäbe, die dabei nicht berücksichtigt würden.
Weiterhin wurde auch der Vorschlag der Kommission, die Anzahl der von Armut betroffenen Menschen in der EU um 20 Millionen zu reduzieren, von Angela Merkel nicht befürwortet. Die Sozialpolitik sei Aufgabe der Mitgliedstaaten und nicht der EU, meinte die Bundeskanzlerin.
Vorschläge zur Steigerung von Forschungsausgaben, Erhöhung der Beschäftigungsquote und zum Klimaschutz wurden beim Gipfel verabschiedet.
Die Anträge zur Studierendenquote und zur Armutsbekämpfung dagegen wurden auf den EU-Gipfel im Juni vertagt.
Der AStA der Universität Münster verurteilt die Ablehnung dieser Ziele von Angela Merkel scharf und weist darauf hin, dass das Jahr 2010 das europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzungen ist. Aus der Sicht des AStA sind dies nicht minder wichtige Ziele und sollten auch gegen Widerstände die Deutschen Bundesregierung vorangetrieben werden.





27.03.2010 um 14:05
Nun ist es teilweise so, dass wir in Deutschland echt ausgefeilte Ausbildungen und Berufsakademien haben, die Berufe und Qualifikationen ausbilden, die in anderen Ländern über die Hochschulen laufen. Daher ist es teilweise echt nicht zu vergleichen.
28.03.2010 um 18:06
Ja, und das ist jetzt gut? Alle reden immer davon, dass Abschlüsse europaweit vergleichbar sein sollen, wegen der Mobilität und so weiter.
Da sind doch solche deutschen Extrawürste eher hinderlich, oder? Mutti Merkel zementiert hier doch wohl eher das gute alte Deutschland. Wenn schon das Diplom über den Jordan geht, dann soll wenigstens das erhalten bleiben?
Warum stellt man nicht auch die Berufsakademien und so auf Bachelor und Master um?
29.03.2010 um 00:14
Die spannende Frage ist an der Stelle:
Wozu braucht eine Gesellschaft, ein Staat, denn unbedingt einen Quote von 40% Studierenden (im Übrigen, Anteil wovon?) und wären nicht vielleicht 80% günstiger. Oder vielleicht nur 10%? Oder ist dieses Quotedenken evtl. gar ziemlich dumm?
Und das im Beitrag ja zumindest indirekt die Verbindung aufgemacht wird: Ist ein Studium das erste Mittel, um Armut zu vermeiden? ‘n Schulabschluss tut’s ja vielleicht auch erstmal.
29.03.2010 um 13:29
Sicherlich ist ein Schulabschluss “auch erstmal” ganz gut… aber da ja nicht erst seit gestern propagiert wird (im Übrigen auch von Mutti Merkel), dass man hierzulande mehr gut ausgebildete Fachkräfte und wissenschaftlich gebildete Menschen braucht, sollte man doch schon etwas höher greifen.
Aber ich gebe dir natürlich recht, wenn du sagst, dass die Probleme der Bildungspolitik nicht erst an der Hochschule anfangen. Das Schulwesen ist auch arg fehlerhaft.
1.04.2010 um 12:06
Hi
Wir vom Fikus-Referat (“Arbeiterkinder-Referat”) hatten den AStA auf die Blockadehaltung der Bundesregierung beim EU-Gipfel aufmerksam gemacht.
Es ist nicht das erste Mal, dass Deutschland in den Bereichen Bildung und Armut blockiert. Die Bekämpfung der Ausweitung der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien wurde von einem CSUler angeführt und das deutsche Antidiskriminierungsgesetz wurde erst eingeführt, als Deutschland von der EU sanktioniert wurde und Strafgelder zahlen musste, weil es eine verbindliche EU-Richtlinie nicht fristgerecht umsetzte.
In unserem Artikel zur Blockadehaltung Deutschlands in Sachen Bildung und Armut verweisen wir in diesem Artikel auch auf ein kritisches Statement der EU-Kommission zur frühen sozialen Selektivität im Schulsystem, welches aufgrund eines Vetos der Bundesregierung umgeändert werden musste:
http://dishwasher.blogsport.de/2010/03/26/eu-laesst-ziele-zu-bildung-und-armutsbekaempfung-offen/
20.05.2011 um 15:17
Liebe Leute,
warum mischt sich der AStA in Bundespolitik ein? Unabhängig davon, dass man vor einer solchen Kritik mal lesen sollte, was Merkel getan hat: Sie hat sich mitnichten gegen Armutsbekämpfung ausgesprochen, sondern lediglich klar gemacht, dass das besser auf der National- als auf Europaebene angegangen werden sollte.
Der AStA hat kein Mandat, sich in alle möglich Politikbereiche einzumischen. Er hat sich um alle Politiken zu kümmern, die die Studenten direkt und vor Ort betreffen: Studicard, Semesterticket, etc. Stellungnahmen bspw. zu Beschlüssen der Landesregierung zu Studiengebühren sind daher denkbar. Aber nicht zur nationalen EU- Politik!